Zusammen
Arbeiten

Wald
und Genossen

Insbesondere um den Holzbedarf für die Verhüttung abzudecken, entwickelte sich in Burbach und dem Siegerland eine einzigartige Form der genossen­ schaftlichen Waldwirtschaft: das »Haubergwesen«. Der örtliche »Hauberg«, also Niederwald aus Eichen und Birken, gehörte der Gemeinschaft und wurde
in Arbeitsteilung bearbeitet. Jedes Jahr wurden nur bestimmte Flächen gerodet, damit immer ausreichend Bäume nachwachsen konnten. Weil sowohl Holz als auch Land knappe Ressourcen waren, nutzte man sie bestmöglich: So wurde die Rinde gefällter Eichen als Gerbstoff bei der Lederherstellung eingesetzt. Und abgeholzte Flächen dienten zudem dem Getreide­ anbau sowie als Viehweide. Noch heute gibt es etwa 200 Haubergsgenossenschaften im Siegerland.

NACHHALTIGKEIT PER VERORDNUNG

Rechte und Pflichten des Einzelnen in der genossenschaftlichen Bewirtschaftung der Hauberge regelten seit dem 15. Jh. eigene »Haubergsordnungen«. Mit ihnen sollte der Waldbestand nachhaltig gesichert werden. Darin wurden auch anzupflanzende Baumsorten und Arbeitsabläufe festgelegt. Im Bergbau wurde in »Hüttenordnungen« beispielsweise die Verhüttung auf 48 Tage im Jahr beschränkt.

Foto des Exponats Haubergsordnung
Haubergsordnung für den Kreis Siegen, März 1879, Nachlass Karl Oerter

Erz
und Kumpel

Auch wenn die Natur in der Region unwirtlich war – ihr Reichtum an Bodenschätzen führte dazu, dass sich in Burbach und der Umgebung bereits im 5./6. Jh. vor Christus keltische Stämme ansiedelten. Mehr
als 180 prähistorische und 230 mittelalterliche Plätze zur Verhüttung, also zur Gewinnung von Metall aus dem abgebauten Erz, sind für das Siegerland heute belegt. Der Bergbau und auch die Besiedlung des Orts waren nur als gemeinschaftliche Leistung möglich. Während der Bergbau im Mittelalter hauptsächlich durch Gelegenheitsbetriebe mit einer Belegschaft von ein bis drei Bergleuten betrieben wurde, entwickelten sich nach der Erfindung der Dampfmaschine und ihrer Nutzung im Bergbau (groß)unternehmerische Strukturen. Sie stellten einen Kontrast zum genossenschaftlichen Haubergwesen dar.

Exponate

Hirte für alle

Mit der vertrauten Melodie auf dem Horn meldete sich der Hirte jeden Morgen zur Arbeit. Er kümmerte sich um das Vieh des gesamten Dorfes, holte die Tiere auf einer festgelegten Route durch den Ort ab, führte sie auf die Weide und brachte sie abends wieder zu ihren Besitzern zurück. Ergänzend zur Arbeit im Bergbau oder Hauberg prägte die Kleinlandwirtschaft – Viehzucht und Ackerbau für den Eigenbedarf – die Region. Flurbezeichnungen wie »Weidekamp« und »Hirtenwiese« zeugen noch heute von ihrer Nutzung.

Foto des Hirtenhorns
Hirtenhorn, ca. 1930, aus dem Bestand Werner Kreutz
Foto von Statut des Vereins zur Versicherung von Rindvieh für die Gemeinde Gilsbach
Statut des Vereins zur Versicherung von Rindvieh für die Gemeinde Gilsbach
5. März 1898, Nachlass Karl Oerte

Sicher dank Versicherung

Das am 3. März 1898 verabschiedete »Statut des Vereins zur Versicherung von Rindvieh« zeugt von einer besonderen Gemeinschaftsleistung: Die Mitglieder versicherten sich durch Zahlung von Beiträgen gegen finanzielle Verluste, die durch Tod, Verletzung oder Krankheit ihrer Tiere auftreten konnten. Bis in die 1960er-Jahre war die Viehzucht eine wichtige Existenzsicherung für viele Familien. Die Kleinlandwirtschaft wurde von den Frauen aufrechterhalten, während die Männer meist im Bergbau tätig waren.

Haus für Zusammenkünfte

Kaum ein anderes Haus in der Gemeinde Burbach ist so typisch für die Kleinlandwirtschaft wie »Höebs Haus«: 1924 von Karl Diehl – genannt »Höebs Karl« – erworben, versorgte seine Familie mit ihren Erzeugnissen nicht nur sich selbst. Bis in die 1980er-Jahre hinein kauften Dorfbewohner hier frische Kuhmilch oder Kartoffeln, die von Diehls traditionell mit der Kartoffelhacke »ausgemacht« wurden. Seine letzte lebende Tochter Käthe stiftete das Haus 2018 der Wahlbacher Dorfgemeinschaft; seitdem macht es ein Trägerverein zu einem lebendigen Ort der Zusammenkunft.

Foto von Kartoffel-Hacke
Duffels­ Hoach (Kartoffel­-Hacke),
Trägerverein Hoebs Haus, Wahlbach